FR: Die Kantonspolizei Freiburg legt einer kriminellen Organisation von Fahrenden das Handwerk

Veröffentlicht: 6. Dezember 2013 in + Artikel in den Kantonen, + Artikel mit Gefangenen, + Ausländische Herkunft, + Begangene Delikte, Betrug, Diebstahl, Drohung, Erpressung, Fahrende, FR, Frankreich, NE, Raubüberfall, TI, Urkundenfälschung, VD, Verleumdung, VS, Wucher
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Fahrende aus Frankreich sind im Kanton Freiburg in eine bedeutende Betrugsaffäre verwickelt. Zum ersten Mal werden Fahrende in der Schweiz für organisierte Kriminalität zur Anzeige gebracht. Die Kantonspolizei Freiburg ruft die Bevölkerung, vor allem die älteren Personen, zur Vorsicht auf, wenn sie Kontakt zu Fahrenden haben.

Ermittlungen der Kantonspolizei Freiburg führten zur Aufklärung einer bedeutenden Affäre, wo die Täterschaft aus dem Milieu der Fahrenden stammt. Die zwei Personengruppen zugeordneten Fälle beinhalten Verbrechen wie Betrug, Wucher, Erpressung und Diebstahl. Den beiden Banden werden auch Straftaten wie Drohungen, Verleumdung, Urkundenfälschung und Missbrauch des Telefons zur Last gelegt. Ein Bandenmitglied hatte im Jahre 2008 sogar einen Raubüberfall begangen.

An die 20 Fälle aufgeklärt in der ganzen Schweiz

Durch die hiesigen Ermittlungen und einer interkantonalen Zusammenarbeit konnten an die 20 Fälle aufgeklärt werden, die vom Diebstahl bis zum Raubüberfall reichen, aber vorwiegend handelt es sich um Betrugsfälle. Ähnliche Delikte konnten in anderen Kantonen der Schweiz aufgeklärt werden, hauptsächlich Waadt, Wallis, Neuenburg und Tessin.

Es handelt sich vorwiegend um Betrug beim Verkauf von Teppichen, bei denen die Käufer in der Qualität der Ware getäuscht wurden. Im Nachhinein wurde wieder mit den Geschädigten Kontakt aufgenommen und mit Gewinnaussichten zum Investieren von Geld gedrängt, meistens unter dem Vorwand, die Zollgebühren für die Teppiche bezahlen zu müssen.

Ausser den Delikten in Verbindung mit dem Verkauf von Teppichen, reichten die Straftaten von Erpressung für das Schleifen, zum Rip-Deal (Gelddiebstahl beim Wechsel von Schweizerfranken gegen Euro zu einem vorteilhaften Kurs), bis hin zum Raubüberfall.

Raubüberfall auf einen Bijoutier

Die Ermittlungen im Kanton Freiburg wurden im September 2010 aufgenommen, als eine 86-jährige Frau aus Bulle einen Strafantrag für einen Betrugsversuch in der Höhe von 2‘000 Franken einreichte.

Die Ermittlungen zeigten, dass es sich bei einem der Täter um einen ca. 50-jährigen Fahrenden, G.D., handelte, der im Jahre 2008 bereits für einen Raubüberfall auf eine Bijouterie in Romont verurteilt worden war. Andere Familienmitglieder waren ebenfalls beteiligt. Die Bande hat jedoch die Schweiz verlassen, bevor handfeste Beweise gegen sie erhoben werden konnten.

Ein weiterer Fall trug sich Mitte April 2012 zu. Die Freiburger Kantonalbank informierte die Polizei, dass ein 89-jähriger Kunde allem Anschein nach Opfer eines Betrugsversuchs in der Höhe von 39’000 Franken geworden ist. Die ersten Ermittlungen führten zur Identifizierung von mehreren Verdächtigen, die zum Teil der gleichen Bande angehörten.

Auf Kaution freigelassen

Am Dienstag, den 25. September 2012 hat die Waadtländer Polizei in Yverdon-les-Bains den Haupttäter eines Betruges auf frischer Tat angehalten. Mit Hilfe von Komplizen hatte dieser
25-jährige französische Staatsangehörige, A.T., Sohn von G.D., einen 90-jährigen, dem er Teppiche verkauft hatte, dazu gebracht, ihm innert weniger Tage die Summe von mehreren Tausend Franken auszuhändigen. Nach seiner Überführung nach Freiburg wurde er mehrmals befragt, gab die Straftaten aber nur teilweise zu. Er wurde gegen eine Kaution von 32‘000 Franken am Vorweihnachtstag entlassen.

Mehrere Millionen Franken in der Schweiz ertrogen

Gegen mehrere Fahrende wird die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erlassen. Die Telefon-überwachungen und die Einvernahmen des Beschuldigten A.T. lassen vermuten, dass gewisse Beteiligte, namentlich A.T., ihre Befehle aus Frankreich erhielten, grösstenteils von G.D. Von den gegen 20 zur Anzeige gebrachten Personen stammen mehrere aus Familien, die in der Vergangenheit an Betrugsfällen in der Schweiz für mehrere Millionen beteiligt gewesen waren.
Was die jetzigen Ermittlungen der Kantonspolizei Freiburg betreffen, dürften in der Westschweiz durch die Fahrenden seit 2005 an die 60 Straftaten für einen Deliktsbetrag von 400‘000 Franken und Betrugsversuche für 1 Million Franken begangen worden sein.

Täter auf der Flucht

Der Haupttäter, A.T., hat nach seiner Freilassung die Schweiz Hals über Kopf verlassen, trotz der Auflage, bis nach Abschluss der Ermittlungen in unserem Land zu verweilen. Er ist Gegenstand eines Haftbefehls, wie auch alle anderen Beteiligten, die bis anhin nicht befragt werden konnten. Die Bande wurde insbesondere für den Verkauf von falschem Schmuck und falschen Diamanten sowie Erpressung in Zusammenhang mit dem Schleifen und einen Fall von Reap-Deal zur Anzeige gebracht.

Prävention

Bei den Opfern der Fahrenden handelt es sich grösstenteils um Personen im Seniorenalter, meist in sehr hohem Alter, die nicht immer wissen, wie ihnen geschieht. Wir empfehlen den Angehörigen älterer Personen, die zu den potentiellen Opfern gehören, sich zu vergewissern, dass sie nicht mit Fahrenden in Kontakt kommen, deren Absichten nicht immer über alle Zweifel erhaben sind. Bei einem Verdacht ist die Polizei unter der Nummer 026 305 17 17 zu verständigen.

Quelle: kapoFR

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