5 Polizisten nach Razzia in Zürcher Sex-Club verhaftet

Veröffentlicht: 12. November 2013 in + Artikel in den Kantonen, + Artikel mit Gefangenen, + Begangene Delikte, Amtsmissbrauch, Bestechung, Schweiz, ZH
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Nach einer Razzia im Zürcher Sex-Club Chillis am Montagabend wurden fünf Stadtpolizisten festgenommen. Sie stehen im Verdacht, bestechlich zu sein.

Im Zürcher Club Chillis beim berüchtigten Bermudadreieck haben die Kantonspolizei Zürich und die Staatsanwaltschaft am Montagabend eine Razzia durchgeführt. Der Inhaber und mehrere Angestellte des Clubs wurden gemäss einer Mitteilung kontrolliert. Insgesamt wurden neun Personen verhaftet, da sie im Verdacht stehen, Kreditkartenmissbräuche zum Nachteil von Gästen und Freiern begangen zu haben.

In Zusammenhang mit der Razzia wurden am Dienstagmorgen weitere Hausdurchsuchungen durchgeführt und sogar fünf Mitarbeiter der Stadtpolizei Zürich verhaftet. Die festgenommenen Personen der Fachgruppe Milieu/Sexualdelikten werden verdächtigt, sich bestochen lassen und der Begünstigung, des Amtsmissbrauchs und weiteren Delikten schuldig gemacht zu haben. Die Hinweise, die zu diesen Verhaftungen führten, seien von der Stadtpolizei selber gekommen, wie es bei der Kantonspolizei heisst. Laut Oberstaatsanwaltschaft Zürich steht noch nicht fest, für wie viele Personen ein Antrag auf Untersuchungshaft gestellt wird.

«Einen ähnlichen Fall gab es bei der Stadtpolizei noch nie»

«Es wäre ein Gau, falls sich die Bestechungsvorwürfe gegen die fünf Polizisten erhärten», so Werner Karlen, Präsident des Stadtzürcher Polizeiverbands. Einen derartigen Fall habe es bei der Stadtpolizei noch nie gegeben: «Ich erinnere mich, dass es zuletzt zu Lettenzeiten in den 1990ern ähnliche Straftaten gegeben hat – allerdings verstiessen nur einzelne Polizisten gegen das Gesetz», so Karlen. Im Vergleich zum Ausland sei Korruption bei der Schweizer Polizei äusserst selten: «Unsere Polizisten verdienen genug – sie müssen sich nicht auf diese Weise den Lohn aufbessern.»

Auch im Rotlichtmilieu wirft die Razzia hohe Wellen: «Ich habe gesehen, wie die Beamten schachtelweise Beweismaterial herausgetragen haben», sagt ein Kenner und fügt an: «Man munkelt ja schon länger, dass im Chillis krumme Dinge laufen.» Der Inhaber, ein algerischer Familienvater mit Haar-Rossschwanz als Markenzeichen, habe nicht den besten Ruf und sei ein Schlitzohr. «Dabei wollte er nun Schweizer werden.» Laut dem Kenner arbeiten im Chillis vorwiegend Frauen aus der Dominikanischen Republik.

«Grossaktionen machen mich stutzig»

Milieuanwalt Valentin Landmann wird einen der fünf verhafteten Stadtpolizisten verteidigen: «Ich kenne die genauen Vorwürfe noch nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass mein Mandant schuldig ist», bestätigt er eine Meldung von Tages-Anzeiger.ch Der Mann sei sehr gewissenhaft und erfahren. «Gewiss muss ein Polizist, der im Milieu arbeitet, mehr Nähe zu den Leuten haben als in anderen Bereichen – trotzdem gibt es Grenzen.» Es sei deshalb richtig, dass bei Verdacht im Polizeiumfeld genau so hart ermittelt werde wie bei anderen Personen. Landmann: «Insgesamt machen mich solche Grossaktionen wie diese Razzia aber eher stutzig.»

Wie Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte, ist der Fall dank verschiedener Hinweise ins Rollen gekommen. «Als sich im Zuge der internen Vorermittlungen der Verdacht erhärtete, haben wir die Staatsanwaltschaft informiert.» Aus Rücksicht auf das eben erst eingeleitete Verfahren erteilte die Oberstaatsanwaltschaft keine weiteren Informationen. Am Mittwochnachmittag will sie jedoch weitere Angaben zum Fall machen.

Quelle: 20min

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