Ein Topmanager von der Goldküste hat sich als Polizist ausgegeben und rund ein halbes Dutzend ungarische Sihlquai-Prostituierte sexuell genötigt. Tatmotiv war die Suche nach einem «Kick».

Es war am vergangenen 30. März, als die polizeilichen Ermittlungen zum Erfolg führten. Die Fahnder nahmen einen Topmanager von der Goldküste fest. Beim Leiter eines bedeutenden Schweizer Finanzkonzerns handelte es sich um einen unheimlichen Serientäter, der bereits seit Oktober 2009 sein Unwesen auf dem Strassenstrich beim Zürcher Sihlquai trieb. Er legte ein umfassendes Geständnis ab.

Der Spitzenverdiener tauchte jeweils mit einem seiner teuren Luxuskarossen am Sihlquai auf und wandte immer die gleiche Masche an. Er gab sich zunächst als normaler Freier aus und fuhr die ungarischen Prostituierten zu einem wenig besuchten Parkplatz im Kreis 5. Dann gab er sich überraschend als Polizist aus und zeigte einen falschen Ausweis. Dabei führte er sich plötzlich sehr herrschend und fordernd auf. Die alleine im Fahrzeug sitzenden Frauen bekamen Angst und getrauten sich nicht, den Anweisungen des vermeintlichen Ordnungshüters zu widersprechen.

Bei «Leibesvisitationen» sexuell genötigt

Der Mittvierziger sprach dann von einer notwendigen «Leibesvisitation» und befahl den Geschädigten, sich auszuziehen. Dabei versetzte er ihnen mit der flachen Hand drei bis vier leichte Klapse ins Gesicht. Danach berührte er die Frauen am ganzen Körper und drang bei den meisten Opfern mit seinen Fingern in die Vagina ein. In einem anderen Fall packte er eine Frau am Nacken und führte ihren Kopf zu seinen Geschlechtsteilen bis ihre Lippen seinen Penis berührten und er zum Samenerguss kam. Die Anklage führt rund ein halbes Dutzend Geschädigte auf. Allesamt stammen aus Ungarn und schafften auf dem Strassenstrich an. Zum letzten Übergriff kam es am 27. März 2012.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat ergaben, dass der erfolgreiche Top-Manager ein unheimliches Doppelleben führte. Verteidiger Valentin Landmann sprach von einer eindrücklichen Karriere seines Klienten im Zeichen von Ehrgeiz, Fleiss und Anpassung. «Mit den Ausflügen zum Sihlquai suchte er einen neuen Kick im Leben», führte Landmann aus. Seit der Strafuntersuchung sei ihm allerdings die Lust auf diesen Kick gründlich vergangen. Der Beschuldigte selber erklärte auf Anfrage, dass ihn die Suche nach dem Verruchten und dem Gefährlichen angetrieben habe. Diese Vorlieben in einem Bordell auszuleben, hätte ihn dagegen nicht gereizt.

Abgekürztes Verfahren: 21 Monate bedingt

Der Konzernleiter und Landmann haben sich unterdessen mit der Staatsanwaltschaft auf ein abgekürztes Verfahren vor Gericht geeinigt. Demnach anerkennt der Kadermann die Schuldpunkte der mehrfachen sexuellen Nötigung, Nötigung sowie der mehrfachen Amtsanmassung. Der zuständige Staatsanwalt Daniel Kloiber verlangt in seinem vor wenigen Tagen verfassten Urteilsvorschlag eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten. Zudem muss der Schweizer die Verfahrenskosten von mindestens 7500 Franken tragen. Der Vorschlag muss noch allerdings in einem öffentlichen Prozess vom Bezirksgericht Zürich abgesegnet werden.

Quelle: 20min

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NACHTRAG: 

Bezirksgericht Zürich – Topmanager wegen Missbrauch von Sihlquai-Prostituierten verurteilt

Ein Topmanager von der Zürcher Goldküste hatte sich als Polizist ausgegeben und mehrere Strassenprostituierte vom Zürcher Sihlquai sexuell genötigt. Dafür hat ihn das Bezirksgericht Zürich am Montag zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt.

Ende März 2012 war der Mittvierziger von der Polizei festgenommen worden. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und wurde nach zwei Tagen aus der Haft entlassen. Mit der Staatsanwaltschaft einigte er sich auf ein abgekürztes Verfahren.

Demnach akzeptierte er nicht nur die Schuldsprüche wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Nötigung sowie mehrfacher Amtsanmassung, sondern auch eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten. Das Gericht segnete diesen Urteilsvorschlag ab und setzte eine Probezeit von zwei Jahren fest. Zugute hielt es dem Beschuldigten sein umfassendes Geständnis.

Von einem leichten Verschulden wollte das Gericht aber nicht ausgehen. So habe der Schweizer zur egoistischen Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse das Machtgefälle zu den schutzlosen Prostituierten auf fiese Art ausgenützt, führte die Gerichtsvorsitzende aus.

Die Vorwürfe der Anklage waren vor Gericht nicht bestritten. Zwischen Oktober 2009 bis März 2012 sprach der Topmanager auf dem Strassenstrich ungarische Prostituierte an und fuhr mit ihnen an einen abgelegenen Ort. Dort gab er sich als Polizist aus und verlangte von den Geschädigten, sich auszuziehen und sich einer Leibesvisitation zu unterziehen.

Er versetzte den Frauen mit der flachen Hand mehrere Klapse ins Gesicht und tastete sie am ganzen Körper ab, auch im Intimbereich. Die Anklageschrift listete fünf Opfer auf. Den vereinbarten Preis zwischen 50 Franken und 100 Franken blieb der falsche Sittenwächter allen Geschädigten schuldig.

Es war der Reiz, für einmal aus der Welt der festen Regeln auszubrechen und etwas Verbotenes zu tun, erklärte der Beschuldigte vor Gericht. Erst mit der Verhaftung sei er zu sich gekommen. Er sei heute über seine eigenen Taten entsetzt. Gegenüber den Geschädigten sagte er, dass es ihm leid tue.

Staatsanwalt und Verteidigung waren sich einig, dass der Beschuldigte keine übermässige oder unnötige Gewalt eingesetzt habe. Der Verteidiger ortete das Tatmotiv im extremen Leistungsdruck, unter welchem sein Klient gelitten habe. Der Gang auf den Strassenstrich habe einer Ventilfunktion entsprochen. Für die Opfer habe er von sich aus finanzielle Entschädigungen bereit gestellt.

Quelle: blick

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